Resolution der Repair-Initiativen

Reparatur-Initiativen und Repair-Café-MacherInnen aus ganz Deutschland waren am 11.10.2014 von der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis eingeladen, andere InitiatorInnen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und gemeinsam zu überlegen, ob und wie sich der Aufbau einer Community für Deutschland lohnen könnte. Welche unterstützenden Maßnahmen könnten das Konzept weiter voranbringen? Wie lassen sich lokale Initiativen stärken? Wie können lokale Gruppen voneinander lernen, sich austauschen, vernetzen? Wir waren dabei und haben an der unten stehenden Resolution mitgearbeitet:

Präambel
Unser Anliegen ist es, anlässlich der ersten Vernetzungstagung am 11.10.2014 in München eine Erklärung an die Öffentlichkeit zu geben, die die Kraft und die industriepolitische Vision der Reparaturbewegung zum Ausdruck bringt, aber auch den konstruktiven Charakter der gemeinschaftlich organisierten Reparatur-Treffs und Repair Cafés vermittelt.
Die Resolution ist ein erster Schritt in die Öffentlichkeit. Es sollen weitere Worte und Taten folgen. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.

Reparieren lohnt sich. Die versammelten 120 Vertreter_innen von Reparaturinitiativen im deutschsprachigen Raum haben sich bei ihrem Treffen am 11.10.2014 in München auf die folgende Resolution verständigt:

Geplanter Verschleiß ist kein Mythos. Bei jeder Reparatur-Aktion entdecken wir Schwachstellen an elektrischen und elektronischen Geräten, ebenso Gehäuse, die nicht oder nur sehr schwer zu öffnen sind.
Wir nehmen nicht hin, dass wertvolle natürliche und menschliche Ressourcen dadurch ver-schwendet werden. Als wachsende bürgerschaftlich getragene Bewegung von unten, engagieren wir uns für eine Verlängerung der Lebensdauer von Gebrauchsgütern und regen so zu einem bewussten Konsumverhalten an.
Wir sorgen uns um die Natur und die Lebensbedingungen unserer Kinder und Enkel. Genauso liegen uns die Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen aus den Ländern am Herzen, in denen Rohstoffe abgebaut, Güter produziert und in die unser Elektro-Schrott und Müll exportiert wird.
Wir teilen unser Reparaturwissen mit anderen. Laien und Expert_innen befähigen sich gegenseitig.
Wir streben an, ein Reparatursiegel zu entwickeln und zu vergeben.
Unser Ziel ist es, Verbraucher_innen Orientierung beim Neukauf von Gebrauchsgütern zu geben. Dabei werden wir die Kriterien für die Vergabe des Siegels vollständig offenlegen. Das Symbol „Schraubenschlüssel“ soll in drei Stufen Auskunft über den Grad der Reparaturfreundlichkeit geben.
Ausgehend von den Erfahrungen der Reparatur-Initiativen werden wir auf einer Internet-Plattform Informationen zur Reparaturfreundlichkeit von Produkten sammeln und veröffentlichen.
Wir laden alle Herstellerfirmen, den Handel und die Verbraucherschutzorganisationen ein, mit uns zusammenzuarbeiten und das von uns vergebene Reparatursiegel zur Kennzeichnung von Gebrauchsgütern zu nutzen.
In fünf Jahren wollen wir Folgendes erreicht haben:

  • Ein einfaches, in seinen Vergabekriterien transparentes Reparatursiegel.
  • Ein starkes Netzwerk der Reparaturinitiativen.
  • Initiativen zur Erhöhung von Produktnutzungsdauer und Reparaturfreundlichkeit.
  • Die Etablierung nachhaltiger Gebrauchsgüter in der öffentlichen Wahrnehmung, Beeinflussung von Verbraucher_innen und Gesetzgebung durch die kontinuierliche Skandalisierung geplanter Obsoleszenz.

gez. Die Reparaturinitiativen / Repair Cafés im deutschsprachigen Raum
Kontakt: reparieren@anstiftung.de
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